exzellenzblog

Seminar "Web2.0" am ISK der RWTH Aachen

Handschrift2.0?

with 3 comments

Ich weiß, ich weiß, sehr originell ist diese Überschrift nicht. Aber um dem Diskurs um das neue Web einen (weder politischen noch wissenschaftlichen) Beitrag hinzuzufügen, vielleicht okay?! 🙂

Handschriften sind bekanntlich sehr persönlich, geben uns die Möglichkeit, in Form von Unterschriften Verträge abzuschließen, EC-Karten-Käufe zu legitimieren und dienen ganz allgemein als Nachweis unserer Identität. Darüber hinaus schaffen sie Intimität, z.B. in eigenhändig verfaßten Briefen, Postkarten etc. Die Romantiker unter den Web(2.0)-Kritikern beklagen vor allem das langsame Verschwinden dieser Tradition, die ihrer Meinung nach das lange In-Sich-Gehen, Verwerfen und Neuansetzen verlangt, ganz anders als die schnellebige digitale Praxis.

Darüber läßt sich sicherlich streiten. Unbenommen haben persönliche Briefe eine andere mediale und materielle Qualität, und angesichts überquellender virtueller Postfächer sicherlich auch eine ganz andere Lebensdauer. Wer hat noch nie in alten Liebesbriefen geschmökert? Und sind nicht ihre digitalen Pendants tatsächlich „total unpersönlich“?

Offenbar gibt es Menschen, die sich mit dieser Problematik auseinandergesetzt haben – mit ganz erstaunlichen Resultaten. Denn unter www.fontcapture.com kann sich jeder Computer-/Internetenthusiast jetzt seinen eigenen Font basteln. Das ist an sich ja noch nichts Neues. Allerdings ist es deutlich einfacher geworden, und noch dazu funktioniert es mit der eigenen Handschrift: Einfach Formular ausdrucken, deutlich (oder eben nicht) jeden Buchstaben einmal eintragen, scannen, hochladen – und schon steht der Font aus der eigenen Feder zum Download bereit. Und zwar vektorisiert, d.h. verarbeitbar mit jedem Grafikprogramm und (vom Offset-Drucker) druckbar. So können also auch Rechtschreibhasser in Zukunft ihre Briefe ganz persönlich schreiben – ohne auf die Korrekturfunktion der einschlägigen Bürosoftwares zu verzichten 😉

Ich hab das mal probiert, allerdings habe ich beim Betrachten meiner digitalen Identität eher gemischte Gefühle: Natürlich, praktisch ist es schon, witzig auch, aber eben auch ein bißchen beängstigend. Wer das in die Finger kriegt, kann sich schließlich als ich ausgeben – und selbst ich selbst würde wahrscheinlich den Unterschied nicht sofort bemerken… Trotzdem: Anschauen lohnt sich. Aber mit Vorsicht.

Gefunden bei superheld.com

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Written by tanjagnosa

Oktober 21, 2009 um 9:05 am

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Darüber habe ich vor einigen Monaten etwas gelesen und finde diese Idee sehr innovativ und richtungsweisend im Hinblick auf die Bedeutung des Internets als Medium; schlie8lich versucht man ein bisschen Individualität und Persönlichkeit innerhalb des WWW zu vermitteln.

    aantonios

    Oktober 21, 2009 at 12:26 pm

  2. Für mich ein nettes kleines spielzeug, aber mehr auch nicht. denn meine handschrift kann eh keiner lesen ausser mir selbst 😀 und ich finde sie auch selbst nicht gerade so ansehnlich, dass ich sie mir auch noch hochladen muss und auf dem rechner sehen muss. und wenn ich einen persönlichen brief schreibe, dann greife ich halt zu papier und stift und mache das auf die gute alte art und weise. denn eine schrift aus einem computer, auch wenn sie extra eingescannt wurde, ist meiner meinung nach tot, hat keine unregelmäßigkeiten, sie „lebt“ halt nicht. denn alle buchstaben sehen exakt gleich aus, auch wenn ich sie vorher geschrieben und eingescannt habe. das kann dann auch keiner klauen 😉

    cwort

    Oktober 21, 2009 at 4:03 pm

    • Finde ich gut, cwort 🙂 Stimmt schon, was du sagst! Wenn man schon einen persönlichen Brief schreiben will, sollte man sich auch schon die Mühe machen und Stift und Papier in die Hand nehmen.

      tolgacelebi

      Oktober 21, 2009 at 8:30 pm


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