exzellenzblog

Seminar "Web2.0" am ISK der RWTH Aachen

Freundschaft 2.0

with 3 comments

78 Freunde auf Facebook! Hätte Schillers Damon 78 Freunde gehabt, dann hätte Dionysos, der syrakusische Tyrann wohl kaum auch nur einen als Pfand angenommen. Und hätte Schiller gewusst wie schnell und einfach man heutzutage Freundschaften schließen kann, dann hätte er „die Bürgschaft“  wahrscheinlich nie geschrieben. Zugegeben, das hätte uns während der Schulzeit so manche schlaflose Nächte und das nervenzerreißende Auswendiglernen erspart, aber darin liegt nicht der Hauptgedanke dieses Artikels.

Vielmehr stellt sich die Frage, ob Facebook uns nicht gewisse Strukturen aufzwingt. Weswegen auch? Facebook wirkt als der perfekte Gastgeber. Man ist neu und zunächst schüchtern. Man ist reserviert; der menschlichen Natur unterworfen zwar  neugierig, jedoch vor allem letztendlich reserviert. Es ist vielleicht die Angst vor etwas Neuem. Es ist vielleicht der uralte Instinkt, der uns vor Gefahren schützen will. Man kann es nennen wie man möchte. Das alles scheint im Web 2.0 keine Rolle mehr zu spielen. Facebook ist für einen da. Er stellt uns so vielen Menschen vor wie es nur geht. „Christian S. war auf derselben Schule. Silke A. kommt aus derselben Stadt“. Als Außenstehender kann man die Handlungen der User nicht nachvollziehen. Übereinstimmungen von biografischen Daten entscheiden über Freundschaften.  Unschuldig überlässt man einer Software, einer Suchmaschine die Verwaltung unseres sozialen Umfeldes.

Es scheint, als ob im Züge des Web 2.0 eine Werteverschiebung in der heutigen Gesellschaft stattfindet und Facebook trägt als social network entscheidend dazu bei. Doch ist Facebook Täter oder Mittäter? Ist Facebook Hauptakteur in einer virtuellen Welt oder das Spiegelbild der Realität? Erleben wir also eine Veränderung der Bedeutung von Freundschaft und wenn ja – wer ist dafür verantwortlich? Mensch oder Maschine?

Ich bin gespannt auf eure Reaktionen.

aa

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Written by aantonios

Oktober 18, 2009 um 8:12 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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  1. Ich denke nicht, dass es von einer Plattform abhängt, ob eine Freundschaft besteht oder nicht. Trotz Studivz, Facebook und Co gibt es reale Freundschaften, deren Kommunikation durch solche Netzwerke vielleicht erleichtert jedoch nicht geschaffen oder aufrechterhalten wird.

    lisamevissen

    Oktober 22, 2009 at 9:19 am

    • Ich glaube, dass du nicht verstanden hast, was ich genau meine oder besser gesagt mich frage. Eine meiner Fragen ist, ob der Begriff der Freundschaft eine Wandlung durchlebt/durchleben wird. Annahme: Du registrierst dich bei Facebook und erhältst wie es der Usus will, Vorschläge zur Freundschaftsannahmen. Da wir beide an der RWTH studieren und wir wahrscheinlich auch beide Kowi belegt haben oder zumindest Geisteswissenschaftler sind, gehöre ich auch zu den Vorschlägen. Du denkst vielleicht: „Okay, nehme ich an.“
      Nun bin ich Mitglied deiner Liste und du Mitglied meiner. Sind wir nicht befreundet? Meinst, dass wir es nicht sind? Komisch! Die Liste hei8t aber „Freunde“. Extensional gesehen bin ich gemä8 Facebook ein Freund von dir.

      aa

      aantonios

      Oktober 22, 2009 at 6:55 pm

  2. Hatenight Folge 45 – Facebook and Friends

    „Thomas hat eine Kackwurst geschissen! Möchtest du den Geruch mit ihm teilen?“

    luxuskaktus

    November 1, 2009 at 9:26 am


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